Was bedeutet 4-Fuß und 8-Fuß

In größeren Ensembles oder in Blockflötenorchestern findet man in den Noten manch­mal eine Orchestrierung, also eine Notiz, dass bestimmte Takte nur von 4-Fuß- oder nur von 8-Fuß-Instrumenten zu spielen sind. Was heißt das?

Einfach erklärt:

Die 4-Fuß-Instrumente sind die Instrumente, die laut Partitur für diese Stimme vorgesehen sind. Bei einem Quartett-Stück sind das in der Regel die Instrumente Sopran, Alt, Tenor und Bass.
Wenn diese Stimmen zusätzlich mit Tenor, Bass, Großbass und Subbass als Verstärkung besetzt werden, also mit Instrumenten, die eine Oktave tiefer spielen, dann sind diese Instrumente die 8-Fuß-Instrumente.

Theoretisch gibt es im Blockflöten­orchester auch noch 2-Fuß-Instrumente. Das ist eine zusätzliche Stimmen­besetzung mit Instrumenten, die eine Oktave höher klingen. Bei einem Quartett wären das Garklein, Sopranino, Sopran und Alt für die Stimmen S, A, T, B. In ganz seltenen Fällen greift man auf diese Besetzung zurück, um besondere Effekte zu erzielen.

Ich will keine Verwirrung stiften, möchte aber dies erwähnen: Manchmal kann selbst ein Großbass oder ein Subbass zu den 4-Fuß-Instrumenten gehören. Und zwar immer dann, wenn in einem Stück für Blockflötenorchester z.B. diese Instrumente ihre eigene Stimme haben. In solchen Fällen erübrigt sich allerdings oftmals eine Re­gistrie­rung nach 4-/8-Fuß, da dies der Komponist bereits in den Stimmen berück­sichtigt hat.


Und woher stammt nun die Bezeichnung 4- und 8-Fuß?

Der Begriff kommt aus dem Orgelbau. Dort sind Pfeifen gleicher Bauart oder gleicher Klangfarbe, bzw. nach Tonhöhe in Registern gruppiert und entsprechend benannt. Nach Klang z.B. Viola, Gamba, Flöte, Kornett, Bombarde oder nach Anordnung, z.B. Prinzipal, die vom Spieltisch aus jeweils an- oder abgestellt werden können. Diese Register haben verschiedene Stimmhöhen, die nach der Größe der tiefsten Pfeife (dem C) benannt oder unterteilt werden - in z.B. 4-Fuß-Register, 8-Fuß-Register usw. Im 4-Fuß-Register ist die tiefste Pfeife 120 cm groß - das sind 4 Fuß (1 Fuß sind etwa 30 cm). Entsprechend misst die C-Pfeife des 8-Fuß-Registers 8 Fuß, also 240 cm. Die Tonhöhe wird an die Register-Bezeichnung angehängt. So kann eine Orgel das Register Rohrflöte 8' haben.

Eine Orgel hat natürlich auch noch Register mit kleineren (1-Fuß, 2-Fuß) und größeren Pfeifen (16-Fuß, 32-Fuß-Register). Das Register Contraposaune 32' hat z.B. eine C-Pfeife mit einer Höhe von 10 m. Deutschlands klang­ge­wal­tigste Orgel steht im Altenberger Dom. Sie wurde 2005 reorganisiert und umintoniert und besitzt nun 89 Register, darunter das Register Donner 64', dessen 64-Fuß-Pfeife knapp 20 m misst.

Diese Register-Bezeichnung, die sich an der Länge der tiefsten C-Pfeife orientiert, passt eigentlich nicht auf die Registrierung bei einem Blockflötenorchester und stiftet mitunter Verwirrung. Denn eine Sopran­blockflöte, die (meist) zu den 4-Füßlern (4 Fuß = 120 cm) gehört, ist nur 24 cm lang. Früher war der Großbass das tiefe Instrument im Quartett. Er ist genau 4-Fuß groß. Aber heute hat der Bass seine Stelle übernommen und der ist nur 96 cm groß. Zudem kann der Bass ein 4-Fuß- oder ein 8-Fuß-Instrument sein. Deshalb mein obiger Absatz "Einfach erklärt", in dem ich eine andere Erklärung anbiete.